Mindfulness – Achtsamkeitspraxis

Was hat Achtsamkeitspraxis und Achtsamkeit (oder Mindfulness, wie oft englisch ausgedrückt) in der therapeutischen Praxis zu suchen?

Der Sinn und Zweck von Achtsamkeitspraxis lässt sich am einfachsten über seine Effekte erklären.
In der Achtsamkeitspraxis lernen wir, unsere Aufmerksamkeit zu lenken. Dadurch erwerben wir ein Werkzeug, das uns ermöglicht
• aus Gedankenkarussellen und Grübellöchern auszusteigen
• mit Angstreaktionen/-zuständen umzugehen
• Impulse zu kontrollieren bzw. eine Lücke zwischen Reiz und Reaktion zu schlagen
• zum „Beobachter“ der eigenen Gedanken zu werden und so die Option zu haben, diese in Frage zu stellen, sowie auch als „Beobachter“ von Gefühlszuständen in der Lage zu sein, sich nicht ganz in diesen zu verlieren.
Dies ermöglicht eine Distanzierung von Gedanken und Gefühlen und somit eine bewusste Entscheidung zu einer selbstbestimmten Reaktion.
Konkretes Üben von Aufmerksamkeitslenkung führt darüber hinaus zu mehr Präsenz, zu mehr im „Hier und Jetzt“ sein, zu einer gelasseneren Begegnung mit Personen und Situationen – die ganze Einstellung einer Person kann sich ändern (vom state zum trait – vom Gemütszustand zum Charakterzug).
So lässt sich leicht sehen, dass Achtsamkeitspraxis nicht nur die Basis des Meditierens ist. Achtsamkeitspraxis ist sowohl bei Depressionen wie auch bei Ängsten oder Burnout von großem Nutzen.

In gleichem Maße ist Achtsamkeitspraxis aber auch in der Beziehungsarbeit hilfreich: Ein achtsamerer Umgang miteinander führt zum besseren Verständnis dessen, was der andere meint und wo er steht. Zu mehr Gegenwärtigkeit und Aufmerksamkeit im Zusammensein. Das ermöglicht sogar Paaren, die mit impulsiven Kurzschlussreaktionen kämpfen, einen funktionaleren Umgang mit „Triggern“ und weniger impulsives Verhalten.

Desweiteren kann Achtsamkeitspraxis die Sexualität von Paaren grundlegend verändern. Achtsamkeit bringt eine neue Dimension in die Sexualität. Weg vom orgasmuszentrierten Sex zu einer breiteren, erotischeren und verbindenderen Art und Weise des sexuellen Kontaktes.

(siehe auch Beitrag „Achtsamkeit in der Partnerschaft„)